Freitag, 27. April 2018

Egon miệng! Guten Hunger in Vietnam.

Lange nichts geschrieben – aus tausenden, mehr oder weniger guten, Gründen. Zum Glück gibt es jetzt gleich zwei wirklich gute, um endlich wieder an Missy isst zu tüddeln: richtig Bock und Vietnam. Denn dort sind wir drei Wochen lang durch die Gegend gereist und haben das Land aufgegessen. Hier ein paar Eindrücke von Hồ Chí Minh bis Huế

Was wir erwartet hatten. 

Viel frisches Gemüse und ein buntes Angebot an exotischen Früchten, scharf gewürzte Gerichte und natürlich Phở, die klassische vietnamesische Suppe, zum Frühstück: So haben wir uns die Lebensmittelversorgung während unserer drei Wochen in Vietnam vorgestellt – und aufgrund zahlreicher Berichte in diversen Reiseführern zudem eine insgesamt recht fleischlastige Küche erwartet. Um mir dennoch nicht die Chance zu nehmen, möglichst viel zu probieren, habe ich die Sache mit dem Fleischverzicht einfach mal pausieren lassen
Und noch etwas, von dem ich zu Hause gerne die Finger lasse, habe ich der innerlichen Vietnam-Speisekarte hinzugefügt: Glutamat gehört, wenn man Sarah Wiener in ihrem "Kulinarischen Abenteuer" (gibt's bei Netflix) Glauben schenken darf, offenbar in jede vietnamesische Küche. Privat, aber auch in Restaurants. Na dann: Asia-Bauch ahoi! 

Was uns tatsächlich erwartete. 

Also das mit der Frühstücks-Phở hat ganz gut geklappt. Das mit dem Glutamat und den aufgepusteten Bäuchen leider auch. Überhaupt sind Convienience-Produkte fester Bestandteil vieler Restaurant-Küchen – von Kondensmilch (kommt aus nicht weiter nachvollziehbaren Gründen gerne mal zum Beispiel auf Baguettes – also nicht IN den Teig, sondern AUF das Baguette) bis Maggi in unzähligen Variationen. Zu verstecken versucht das niemand. Die Fläschchen und Tiegelchen stehen für jeden sichtbar in den oft halb offenen Küchen oder einfach gleich zum Nachwürzen auf dem Tisch. 
Einen Abend saßen wir auf dem Markt von Dalat, der "Gemüsekammer" des Landes, und haben ein (ziemlich geiles) Tisch-BBQ gegessen. Dazu gab es eine der leckersten Saucen, die ich jemals probiert habe: grün, scharf, mit feinem Limetten-Aroma – und serviert in einer kleinen Schale, so dass wir auf eine selbstgemachte Spezialität statt industrieller Massenware hoffen durften. Leider falsch gehofft. Als ich die nette BBQ-Dame beim Bezahlen nach der Sauce fragte, präsentierte sie mir stolz ein kleines Fläschchen: "You can buy in supermarket." Schade eigentlich. Aber: Geschmeckt hat's ja trotzdem. Und wir konnten dem buy-in-supermarket-Vorschlag folgen, um uns fürs Grillen in Hamburg mit diesem wirklich fantastischen Zeug zu versorgen, das übrigens so aussieht: 

Auch von Fertigprodukten abgesehen, ist "frisch" nicht unbedingt der erste Begriff, der mir zur vietnamesischen Küche einfällt. Es gibt es zwar überall Märkte mit zahlreichen Obst- und Gemüseständen – was dort verkauft wird, scheint aber nur selten den Weg in die Restaurantküchen zu finden. Und wenn Gemüse auf den Teller kommt, dann oft entweder vor Öl triefend oder lediglich als Beilage bzw. Füllmaterial zum Beispiel im Hot Pot. Das am häufigsten vertretene Gemüse auf den Speisekarten war Morning Glory – ein sehr leckerer, auf Dauer aber doch wenig abwechslungsreicher Spinat. 
Auch die Fruchtvielfalt, die sich zum Teil auf den Märkten finden ließ, hat es nur selten in Restaurants und auf Frühstückskarten geschafft. Hier gab es (eigentlich immer und überall, wo wir waren) genau drei Dinge: Mango, Banane, Melone – und Pitahaya, die aber irgendwie nach nichts schmeckt. 
Das mit dem Fleischessen habe ich übrigens trotz der oft geringen Auswahl an vegetarischen Gerichten nicht sonderlich konsequent durchgezogen. "Huhn" bedeutet in Vietnam nämlich oft "Hühnerhaut", Rind ist natürlich kein Filet und Schwein kommt gerne als Schwarte in die Suppe. Das war dann doch eine Nummer zu viel für mich. Ich Mädchen! 
In Sachen "scharf" wäre ich übrigens gerne mehr Mädchen gewesen, bekam aber selten die Gelegenheit dazu. Denn so richtig, richtig scharf isst man in Vietnam scheinbar nicht – es sein denn, man macht es wie wir und kippt sich immer erstmal drei Kilo Chili in die Suppe, um dann festzustellen, dass das zweieinhalb Kilo zu viel waren. 


Meine Top 5. 

Ihr ahnt es: Nicht alles, was wir gegessen haben, war uneingeschränkt toll. Mal fehlte es an Würze, mal wurden Dinge in Öl ertränkt oder statt mit frischen Zutaten mit industriell gefertigten Saucen serviert. 
Eine Woche, nachdem wir wieder in Hamburg gelandet sind, muss ich aber sagen: Wir haben insgesamt wirklich gut gegessen. Und viele verschiedene Dinge probiert. Immerhin waren wir drei Wochen unterwegs und haben ausschließlich auf Märkten, an kleinen Ständen oder in Restaurants mit vietnamesischer Küche gegessen – ohne auch nur einmal auf Pizza und Co. auszuweichen, die es vor allen in größeren Städten durchaus gab. Und so ist es absolut kein Problem, fünf Favoriten zu benennen. 

1. Bánh bèo im Restaurant Lien Hoa in Huế

Reis und ich haben ja eine eher wenig intensive Beziehung zueinander. Außer als Füllmaterial im Sushi halte ich das Zeug für ziemlich überflüssig. Wenn man nun allerdings hingeht und aus ihm kleine, unterschiedlich gefüllte und in Bananenblättern gedämpfte Küchlein macht, bin auch ich wieder an Bord. Und zwar mit großer Begeisterung. 

Bánh bèo
















2. Gänzlich wortfrei bestellte Phở für lächerliche 20 Cent 

Kein Benzin mehr im Roller-Tank und nix in den Ben- und Melissa-Mägen: beste Gelegenheit, sich mal dort umzusehen, wo auf der Karte etwas von "Fischerdorf" steht. Gute Entscheidung. Hier gab es nicht nur einen Markt voller Dinge, die sich uns nicht ansatzweise erklärt haben, sondern auch die beste Phở der Reise. Serviert von einem freundlichen und ganz bezaubernd zusammen im gemeinsamen Restaurant arbeitenden Ehepaar, das kein Wort Englisch gesprochen, uns aber direkt angesehen hat, was wir wollten. (Na ja. Streng genommen gab es halt genau ein Gericht und wir waren zu zweit – vielleicht war unsere Bestellung auch einfach naheliegend.)
Was uns besonders gut gefallen hat: die geschmacksintensive Brühe, die frischen Nudeln und vor allem die tollen Würz-Beilagen Chili, eingelegte Zwiebeln, Limette und Thai-Basilikum, die nicht aus dem Supermarkt kamen. 

Phở













3. Frische Mango mit super-scharfem Chili-Öl

Endlich! Scharf! Ohne, dass wir extra darum bitten mussten! Auf dem Nachtmarkt am Ufer des Parfümflusses in Huế haben wir uns als kleinen Snack frische Mango gekauft – inklusive eines wirklich höllisch scharfen Chili-Öls. Die Kombination ist einfach der Hammer!

4. Mango Cakes in Hội An

Die enthalten, wie ich im Nachhinein ergoogelt habe, nicht einen Hauch von Mango, sondern erinnern nur in ihrer Form an einen Mangokern. Aha. Leider konnte ich das Zeug nicht fotografieren, weil ich nach dem ersten Bissen damit beschäftigt war, den Rest gegen Ben zu verteidigen. Mango Cakes sind vieles – aber nicht zum Teilen. Sticky rice umhüllt eine Füllung aus Zucker und Erdnuss. Need I say more?  

5. Bánh mì in Hội An

Ein belegtes Brötchen? Im Grunde genommen schon. Irgendwie. Aber dann auch wieder gar nicht. Erstmal: dieses Brötchen! Ich hab's ja nicht so mit den Franzosen, aber Baguette können sie – und haben während der Kolonialzeit offenbar auch den Vietnamesen gezeigt, wie's geht. Dann: diese Füllung! Koriander, Chili, Möhre, dies, das – keine Ahnung, was alles. Ich muss nicht übertreiben, wenn ich sage, dass ich niemals zuvor ein so leckeres belegtes Brötchen gegessen habe.

Bánh mì,
ziemlich bescheuert fotografiert

















Übrigens.

Mein Urteil über die vietnamesische Küche ist natürlich super subjektiv und sicherlich auch ziemlich unvollständig. Weder waren wir in allen Regionen des Landes, noch haben wir wirklich alles probiert. Denn: 



Dienstag, 17. Mai 2016

Gefühlt türkisch.

Ich war noch nie in der Türkei und bin aktuell auch ehrlich gesagt nur wenig motiviert, dies nachzuholen. Aber ich freue ich mich immer wieder sehr über die tollen kleinen Obst- und Gemüseläden, die von in Deutschland lebenden Türken geführt werden.
Hier gibt es nämlich nicht nur immer frischen Koriander – man kann sich „beim Türken“ außerdem ganz wunderbar zu neuen Dingen inspirieren lassen. So neulich geschehen. (Wenn in diesem Fall auch ganz ohne Koriander im Ergebnis.)
Ich hatte abends zum Essen eingeladen – und eigentlich Spargel auftischen wollen. Wie auch am Tag zuvor und am Tag davor ... und am Tag davor. Ist ja schließlich Spargelsaison, da machste nix! Gut, dass ich auf meinem Weg zum Supermarkt beim (übrigens völlig spargellosen) türkischen Gemüsemann vorbeigekommen bin und zack! eine andere Idee hatte: mit Schaf und scharf gefüllte Spitzpaprika und Couscous-Salat. Ob es sich dabei nun um etwas handelt, was einem typisch türkischen Gericht auch nur nah kommt? Keine Ahnung! Sicher hingegen ist: Lecker war’s. Und eben gefühlt türkisch.



Was Du (für zwei hungrige Menschen) brauchst 
und wie es geht:

Die Paprika:

- 6 längliche, aber nicht zu schmale grüne Paprika
- 100 Gramm Frischkäse
- 150 Gramm Schafskäse
- frischer Rosmarin, Chilifocken, Olivenöl, Küchenpapier
  1. Höhle die Paprika aus und brate sie in viel heißem Olivenöl an. Dann – ganz wichtig – erstmal ein bisschen abkühlen und auf Küchenpapier abtropfen lassen. Sonst macht die Sache it dem Füllen einfach keinen Spaß.
  2. Den Schafskäse zerbröseln und mit einer Gabel zerdrücken. Den Frischkäse untermischen, Chili und Rosmarin nach Belieben rein. Mehr Rosmarin! Noch ein bisschen mehr. Wenn Du keinen Rosmarin mehr in der Hand hast, ist genug davon in der Käsemasse. (Und wenn Du keinen Rosmarin magst, tut's zur Not auch Thymian.)
  3. Jetzt geht es ans Füllen. Das klappt übrigens nicht am besten mit einem kleinen Löffel und allen Fingern, sondern mit einer Spritztüte.



Der Salat:  

- 150 Gramm feiner Couscous
- 1 reife, aber nicht matschige Avocado
- ½ Salatgurke
- ein paar Kirschtomaten
- ein Bund Rauke
- Olivenöl, Butter, Zitronensaft, Senf, Honig, Salz und Pfeffer
  1. Bringe etwa 150 ml Wasser zusammen mit ein wenig Olivenöl und etwas Salz zum Kochen, nimm den Topf vom Herd und rühre dann den Couscous ein. Das Ganze muss erst ein paar Minuten quellen und dann nochmal für drei Minuten bei kleiner Hitze auf den Herd. Sieht aus wie ein großer Klumpen? Macht gar nichts, lässt sich ganz einfach mit einer Gabel auflockern. Ein Stück Butter macht den Couscous besonders lecker. 
  2. Jetzt: Salat machen. Geht ja eigentlich immer gleich. Man schnippelt alles, was rein soll – in diesem Fall also die Avocado, die Gurke, die Tomaten  und die Rauke– klein und vermischt es miteinander. Dann muss natürlich noch der Couscous dazu.
  3. Für das Dressing mischt Du zunächst ca. 15 ml Zitronensaft mit einer Prise Salz und etwas Pfeffer. Dann kommen ein Teelöffel Senf, etwa 50 ml Olivenöl und ein guter Schuss Honig dazu. In diesem Mischverhältnis ist das Dressing relativ sauer, was ich super finde, viele Menschen aber nicht mögen. Einfach ein bisschen ausprobieren, mehr hier- oder davon dazugeben. Wenn am Ende Dressing übrig bleibt, kann man es ja einfach für den nächsten Salat aufbewahren. Tipp: Senf und Honig sind ein wenig zähflüssig und lassen sich darum nicht so gut verrühren. Am besten vermischt bekommst Du alle Zutaten, wenn Du sie in einem fest verschließbaren Glas (z.B. einem alten Marmeladenglas) kräftig schüttelst, bis die Komponenten sich miteinander verbunden haben. 

Montag, 6. April 2015

Impro-Lasagne.

Nach langer Pause wird endlich wieder gekocht UND darüber geschrieben. Um mich erstmal einzugrooven, gibt's zum Re-Start was ganz Leichtes. In jeder Hinsicht. Und zwar eine Yummie-easy-as-Impro-Tomaten-Lasagne aus allem, was ich im Rahmen einer kurzen "Gleich kommen Gäste und ich glaube, ich habe zu wenig zu essen"-Panik noch so habe finden können.
Das war Folgendes:
  • 1 Dose Tomaten in Stücken
  • 250 Kirschtomaten 
  • 6 Lasagneplatten
  • 2 Eier
  • 1/2 Rolle Ziegenkäse
  • Olivenöl
  • Und dann noch: Salz, Pfeffer, Chili, Honig, Thymian oder Rosmarin

Was jetzt kommt, ist irgendwie fast selbsterklärend, aber Koch-Blog schreiben ohne zu schreiben, ist ja irgendwie doof. Darum: 
  1. Dosentomaten mit Eiern verquirlen und kräftig mit Salz, Pfeffer und Chili würzen.
  2. Drei der Lasagneplatten in einer mit Olivenöl gefetteten Form auslegen.
  3. Die Hälfte der Tomaten-Mischung auf den Platten verteilen. Dann - wer hätte es gedacht - das Ganze wiederholen. 
  4. Jetzt werden die Kirschtomaten halbiert und auf der zweiten Schicht der Tomaten-Ei-Masse drapiert. 
  5. Ziegenkäse in dünne Scheiben schneiden und gleichmäßig verteilen. 
  6. Honig druff, Thymian oder (am besten frischen) Rosmarin druff. 
  7. Und dann geht's in den Ofen. Bei 200 Grad, bis ... das Ganze fertig ist. Ich hab nicht auf die Uhr geguckt, aber man kann nicht viel kaputtmachen. (Wenn man nicht gerade den Ziegenkäse verkokeln lässt ...) 

Übrigens: Die Gäste fanden's super. Sogar besser als die eigentlich als Highlight geplante Frühlings-Frittata. Pft. 

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Scharfer Fisch aus dem Ofen.

Man soll sich ja nicht selbst loben. Aber man soll auch nicht bei Rot über die Ampel gehen. Und jetzt heben einfach mal alle die Hand, die das noch nie getan haben. So. Darum darf ich heute ausnahmsweise sagen: Alter Falter, was hab ich da gestern für ein tolles Abendessen gezaubert!
Und das kam so ... Es sollte "was Scharfes sein: Chili con Carne oder so". Ich hatte aber Lust, richtig zu kochen und fand Chili dafür etwas zu profan. Also bin ich ohne jeden Plan und mit nur einer Zutat (Sambal Oelek) auf der Einkaufsliste in den Supermarkt gestrotzt, um mich nach einer knappen Stunde schließlich für Folgendes zu entscheiden: 
Mit scharfem Süßkartoffel-Stampf überbackener Fisch und Pfannen-Tofu mit grünem Gemüse.

Die Zutaten für zwei Personen:
  • ca. 250 bis 300 Gramm Fischfilet
  • 1 Süßkartoffel
  • 1 normale Kartoffel
  • 1 Limette
  • 150 ml Kokosmilch
  • 150 Gramm Zuckerschoten
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln
  • 150 Gramm Tofu
Sonst noch:
  • Chiliflocken (natürlich ...)
  • Sambal Oelek
  • Honig
  • Salz und Pfeffer
  • Sojasauce
  • Butter

Und so geht's:
  1. Kartoffel und Süßkartoffel schälen und in Salzwasser kochen. Anschließend stampen, mit Butter und einem Schuss Kokosmilch zu einem Püree verarbeiten. Ordentlich Chili, Sambal Oelek und Salz dazu und zur Seite stellen. 
  2. Fisch salzen und pfeffern und mit dem Saft der Limette beträufeln, dann in eine gefettete Auflaufform legen. Mit dem Süßkartofel-Stampf bestreichen, mit restlicher Kokosmilch angießen und für etwa 30 bis 40 Minuten bei 200°C Grad im Ofen garen lassen. 
  3. Kurz, bevor der Fisch fertig ist, den klein geschnittenen Tofu zusammen mit den Frühlingszwiebeln und den Zuckershoten mit Sesamöl im Wok (oder einer großen Pfanne) scharf anbraten. Mit Sojasauce, Honig und Chili abschmecken und zum Fisch servieren. 

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Ja, war denn schon Frost?

Nein, kein Frost bisher. Zum Glück! Dennoch gab's im Hause Missy gestern lecker Grünkohl. Denn die ganze Sache mit dem "Erst nach dem ersten Frost ernten" scheint eigentlich völliger Schwachsinn zu sein. Sagt jedenfall Wikohlpedia.
Was mich dann allerdings doch etwas überrascht hat: Es gibt im Supermarkt (zumindest in meinem) momentan zwar keinen gefrorenen Grünkohl, dafür aber frischen. Frischer Grünkohl? Eigentlich ein klassischer Fall von "Da frag ich doch mal Oma." Allerdings nicht, wenn man meine Oma als Oma hat, die eigenen Angaben zufolge auf den Heiratsantrag meines Großvaters mit "Ich kann ja nicht mal Bratkartoffeln machen" geantwortet hat. Stattdessen habe ich dann lieber das Internet zu Rate gezogen. Und wusste ziemlich schnell, dass dieser riesige Sack Kohl eine Menge Arbeit nach sich ziehen würde ...
Warnung Nr. 1: Man sollte einen sehr, SEHR großen Topf haben.
Warnung Nr. 2: Die Küche muss nach dem Grünkohlkochen einer mehrstündigen Grundreinigung unterzogen werden.
Bonus-Hinweis: Ja, es riecht noch ewig nach dem Zeug.
Aber: Lecker ist's schon ... und das auch ohne Fleisch.

Der Reihe nach.
Zunächst mal habe ich frische Gemüsebrühe gekocht. (Wenn schon, denn schon.)
Ist ja im Grunde genommen ziemlich einfach: ein Paket Suppengemüse gaaaaaaaanz lange in kräftig gesalzenem Wasser kochen, dann abgießen und fertig.

Anstrengend wird es erst jetzt.
Frischer Grühnkohl muss vor dem Kochen nämlich blanchiert werden, wie ich nun gelernt habe. An sich ja kein großer Akt - wäre Grünkohl nicht so unglaublich voluminös. Für zwei Personen braucht man etwa 500 Gramm, die zunächst mal aussehen wie die Wochenration für mindestens eine italienische Großfamilie. Da keiner meiner Töpfe annähernd groß genug war, um alles auf einmal zu fassen, habe ich den Kohl in drei Etappen blanchiert, also für je eine halbe Minute in kochendes Wasser geworfen und dann in Eiswasser in der Spüle abgeschreckt.
Und dann wurde es richtig anstrengend. Dann nämlich pult man sich durch jedes einzelne Blättchen, um es von eventuell (auf jeden Fall) noch vorhandenen Stängeln zu zupfen. Denn die sind hart und schmecken scheiße, wenn man darauf rumkauen muss.
Jetzt ist übrigens auch der Zeitpunkt gekommen, an dem man sich ein Gläschen Wein einschenken und Musik anstellen sollte. Oder auch eine gute DVD. Herr der Ringe zum Beispiel. Die Spieldauer (aller Teile) dürfte in etwa mit der Zeit übereinstimmen, die man sich nun mit seinem noch immer weit von der Genießbarkeit entfernten Grünkohl beschäftigt.
Doch irgendwann hat man das Zeug tatsächlich soweit, dass es in den Topf kann. Ja, in den Topf im Sinne von in einen Topf. Der Grünkohl fällt nämlich beim Blanchieren und Kleinhacken auf etwa ein Drittel seines ursprünglichen Volumens zusammen.
Bevor es wirklich richtig losgeht, schneidet man nur noch schnell eine Zwiebel klein und brät diese in Butter im Topf an. Dann kommt endlich, endlich der Grünkohl dazu - zusammen mit ausreichend Gemüsebrühe, in der er die nächsten zwei Stunden (mindestens!) garen kann. Dazu kommen noch Kartoffelstückchen nach Belieben und ein paar Haferflocken, die ein für eine tolle Eintopf-Konsistenz sorgen.
Am Ende wird das Ganze ordentlich mit Salz, Pfeffer und ein wenig Muskatnuss gewürzt - und dann am besten einen Tag lang stehengelassen. Denn wenn eines für Grünkohl wirklich gilt, dann dass er am aller- allerbesten schmeckt, wenn er ordentlich durchgezogen ist.

Die Einkaufsliste:
  • 500 g Grünkohl
  • 1 Paket Suppengemüse
  • Kartoffeln
  • 1 Zwiebel
  • Haferflocken
Außerdem: Butter, Salz, Pfeffer, Muskat

Dienstag, 21. Oktober 2014

Matsch, aber lecker.


Vorweg: Ich gebe zu, das sieht jetzt nicht soooo ansprechend aus.

Und eigentlich wollte ich es auch gar nicht posten. Aber nachdem man sich den Topf vom Herd geholt hat, um auch noch den kleinsten Rest herauszulöffeln, gehört dieser wundervolle Sonntags-Matsch wohl doch hierher.
Es war nämlich wie so oft: Am Samstag wird groß gekocht und dafür exzessiv eingekauft – an den Sonntag denkt kein Mensch. Hunger haben dann zum Wochenende-Ende aber alle Menschen.
Was also tun?




Im (Kühl-)Schrank fanden sich zum Glück noch folgende Zutaten, um zwei Menschen satt zu machen:
  •  ½ Kohlkopf (In diesem Fall Spitzkohl, es kann aber auch z.B. Wirsing oder Weißkohl sein.)
  • 100 Gramm getrocknete Beluga-Linsen (Die sehen hübsch aus, aber auch hier gilt: Wenn es andere Linsen sind, wird nichts explodieren.)
  • ein paar getrocknete Tomaten
  • ca. 150 Gramm Frischkäse
  • Notfall-Nudeln

Außerdem:
Olivenöl, Salz, Pfeffer und Chiliflocken


Das Ganze ist denkbar einfach:
Einen ordentlichen Schuss Olivenöl in einem Topf erhitzen, den klein geschnittenen Kohl hineingeben und etwa zwei Minuten lang dünsten. Dann kommen die Linsen und die ebenfalls klein geschnittenen getrockneten Tomaten dazu, anschließend der Frischkäse.
Nach Belieben mit Salz, Pfeffer und Chili abschmecken, Nudeln dazu kochen – matschen ... äh ... mampfen!

Montag, 13. Oktober 2014

Alles so orange hier.

Vor ein paar Monaten erschien der schöne Bildband "Kochen nach Farben. 12 Farben – 12 Menüs", in dem die Autoren Tatjana Reimann, Caro Mantke und Tim Schober auf über 200 Seiten das zeigen, was ihr jetzt wahrscheinlich bereits vermutet: einfarbiges Essen. Die Bilder sind sehr beeindruckend und ästhetisch. Aber natürlich auch von echten Profis gemacht. Am Wochenende bin ich – mehr oder weniger freiwillig – der Frage nachgegangen, ob man so was auch "in echt" hinbekommt. Denn wenn man samstags zwar einkaufen geht, dabei aber die Hälfte vergisst, muss man sonntags eben das nehmen, was der Kiosk hergibt – und das waren statt grünem Kohl leider nur orangefarbene Möhren. Die es dann zum ebenfalls ziemlich orangenen Süßkartoffel-Stampf gab. Am orangenen Esstisch.

Vielleicht hätte ich noch einen Kürbis als Deko besorgen sollen ...
Stattdessen hatten wir Thunfisch.
(An den habe ich nämlich *Schulterklopf* schon am Samstag im Supermarkt gedacht.)








Die Einkaufsliste für 2 Personen:

  • etwa 200 Gramm Thunfisch-Steak
  • drei bis vier mittelgroße Süßkartoffeln
  • ein Schlag Butter
  • Milch 
  • Salz, Pfeffer 
  • Chili-Flocken
  • 4 Möhren
  • 1 Dose Kokosmilch
  • 2 große Esslöffel Erdnussbutter 
  • Sesamöl 
  • 1 Bund Koriander
  • etwas frischer Ingwer
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln 
  • 1 Limette
  • Sojasauce

Fangen wir mal mit dem Süßkartoffel-Stampf an.
Hierfür schält ihr die Süßkartoffeln und schneidet sie in Scheiben. Dann ab damit in einen Topf mit Salzwasser und so lange kochen, bis sie etwa die Konsistenz von ganz normalen Salzkartoffeln haben. Butter und Milch dazu und mit dem Kartoffelstampfer oder einer Gabel (geht genauso gut, ist nur anstrengender) zu Püree verarbeiten. Mit Chili und ordentlich Salz würzen.

Weiter geht's mit den Erdnuss-Möhrchen.
Die ähneln den scharfen Karamell-Möhrchen, schmecken dank der Erdnussbutter aber doch ganz anders. Zunächst wird das Sesamöl in einer Pfanne erhitzt, dann kommen der sehr klein geschnittene Ingwer und die Frühlingszwiebeln hinein, die Möhren ein bis zwei Minuten später. Lasst sie ein bisschen anbraten, gebt dann die Kokosmilch, die Erdnussbutter, Sojasauce und den Saft der Limette hinzu. Das Ganze könnt ihr dann für etwa 20 Minuten köcheln lassen, so dass die Möhren gar, aber bissfest sind und die Sauce ein bisschen eingekocht und angedickt ist. Kurz vor dem Servieren gebt ihr den klein gehackten Koriander hinzu. (Immerhin ein bisschen Grün!)

Bleibt also der Thunfisch.
Ich esse kein Fleisch und nur sehr selten Fisch – entsprechend wenig Erfahrung habe ich in der Zubereitung. Scharf anbraten und nicht allzu lange in der Pfanne lassen schien mir eine ganz gute Idee zu sein. Gesagt getan. Wie lange "nicht allzu lange" ist, kommt natürlich vor allem darauf an, wie blutig oder durch ihr euren Thunfisch gerne esst.


Übrigens:
Viele Thunfisch-Arten sind heute vom Aussterben bedroht. Wenn ihr die Möglichkeit habt, achtet also ein bisschen darauf, was ihr kauft.
Followfish bietet gefrorenen Bonito-Thunfisch aus nachhaltigem Fang.
Bei frischem Thunfisch könnt ihr vor allem auf die Art achten. Der Rote Thun zum Beispiel ist deutlich stärker gefährdet, als der Gelbflossen-Thunfisch.